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Tausche Essen gegen Wohnraum

Führt der Bau eines neuen Hauses zum Import von Nahrungsmitteln?

Dass private Haushalte maßgeblich am CO2 Ausstoß beteiligt sind, dürft auch bis zum letzten Bürger durchgedrungen sein. Laut einschlägiger Quellen ca. 25%*. Damit ist eine große Verantwortung verbunden.

Dass ein Einfamilienhaus die schlechteste Klimabilanz aller Gebäude aufweist liegt offensichtlich auf der Hand. Betrachtet wird hier aber in der Regel nur das Haus selbst. Herstellung der Baustoffe, Transportwege sowie später der Unterhalt. Auch wenn einige findige Fertighaushersteller versprechen, dass einige Häuser eine positive Klimabilanz haben, eine damit verbundenen „Überschuss“ an was auch immer kann es nicht geben. Selbst wenn ein Haus mehr Energie erzeugen sollte, als es verbraucht, das Haus musste hergestellt werden, die Materialien kommen teilweise aus der ganzen Welt und die mussten auf den Bauplatz geschafft werden. Der CO2 Verbraucht ist da und beliebt auch. Die sogenannte graue Energie wird in den all zu schönen Rechnenmodellen nicht ausgewiesen.

Bodenversiegelung und die Folgen

Flächenverbrauch

 

Selbst wenn man annimmt, das Haus könne über die Lebensdauer so viel CO2 einsparen, dass sogar die graue Energie gedeckt wird, so bleibt der eigentliche Killer immer noch unberührt. Der Entzug der Anbaufläche und die Versiegelung des Bodens.
Nehmen wir als Beispiel ein Grundstück mit 500qm in städtischer Lage. Auf diesem wird ein Einfamilienhaus errichtet. Typische Abmessungen wären ca 12m x 10 m, und damit ist das Haus nicht sonderlich groß. Es wurden bereits 120qm versiegelt. Hinzu kommt eine Garage mit kleinem Gerätehaus oder Fahrradplätzen mit einer Größe von ca.7m x 4m.
Bei der Hausgröße ist in der Regel ein zweiter Stellplatz nachzuweisen. Die Garage rückt also von der Straße ca weitere 6m ab. Hinzu kommen noch kleinere Flächen wie ein Randstreifen um das Haus, Flächen für die Mülltonnen oder Wege zum Haus, eine Terrasse, Gartenmauer, Lichtschächte etc. etc. etc. Die wichtigsten Flächen zusammengenommen ergeben bereits 225qm.

Unterkunft im Tausch gegen Essen

Ein erwachsener Mensch benötigt ca. 350 qm Anbaufläche um seinen Kalorienbedarf pro Jahr zu decken.
Eine gute Zusammenfassung dazu gibt es hier.
Wir leben in einer Region, die für den Anbau von Lebensmitteln gut geeignet ist. Ich selbst wohne in einer Region mit überregionaler Bedeutung für den Gemüseanbau.
Die verlorene Fläche könnte also einen Erwachsenen zu knapp 2/3 ernähren. Oder anders gesehen, der Erbauer des Hauses tauscht ein Dach über dem Kopf gegen Essen von Januar bis August. Und die Rechnung würde ja nur gelten, wenn er auf sämtlichen Restflächen wieder verwertbare Lebensmittel anbaut. Statt dessen sprießt dort feinster englischer Rasen. Genau genommen müsste die Rechnung noch den Straßenanteil mit dazu nehmen, denn diese würde es ebenfalls nicht geben wenn es das EFH nicht geben würde. Nur der Straßenanteil vor dem Haus kann 100qm betragen. Nicht eingerechnet sind Flächen für Wendehämmer oder Straßenkreuzungen. Eckgrundstücke mit zwei Straßen haben dementsprechend mehr.

In der Summe kann man also durchaus sagen, dass der Bau eines Einfamilienhauses locker 600 qm bis 700qm Agrarfläche vernichtet. Soviel Fläche also wie etwa zwei Erwachsene für Ihre Ernährung benötigen. Der Flächenverlust muss über kurz oder lang kompensiert werden. Momentan geschieht dies vielerorts durch den Import von Futtermitteln. Diese kommen nicht selten aus Afrika oder Südamerika. Wie die Anbaumethoden dort sind ist weitreichend bekannt und soll hier nicht das Thema sein. Dass diese Güter aber auch hierher transportiert werden müssen liegt auch der Hand. Alle Aspekte zusammengenommen kann es also nie ein Plusenergiehaus geben.

JL

 

*RWE Bau-Handbuch 2015

 

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